Das Armwrestling

Eine harte Sache für faire Sportler

Armwrestling, was ist das eigentlich? Ein grober Wettstreit unter brutalen Typen mit Einsatz von linken Tricks und roher Gewalt - oder eine technisch ausgefeilte und vielschichtige Sportart?

Nun, die Übernahme der amerikanischen Bezeichnung Armwrestling (Armringen) anstelle der deutschen Namensgebung Armdrücken hatte mitnichten ihren Grund lediglich darin, im momentan sprachlichen Trend liegen zu wollen, sondern lag einfach daran, dass diese Bezeichnung den Kern der Sache wesentlich genauer trifft. Nicht das starre, einfallslose Gegeneinanderdrücken überdimensionaler Arme charakterisiert diese Sportart, sondern der dynamische Kampf zweier Kontrahenten.

Neben der Maximalkraft spielen auch die Schnelligkeit, das Bewegungsgefühl und die sportliche Aggressivität fundamentale Rollen im Wettkampf. Keine Angst, diese Aggressivität ist keinesfalls gegen die Person gerichtet, sondern sie dienen ausschließlich dazu, die innerhalb des Regelspektrums zulässigen Bewegungsfreiheiten mit möglichst dynamischen, blitzschnellen Aktionen optimal zu nutzen.

Als Kräftevergleich starker Männer ist Armwrestling in seiner Rohform wohl so alt wie nur wenige andere Sportarten. In reglementiert sportliche Bahnen wurde das Armdrücken vor ca. 40 Jahren gelenkt. Hier kamen die wichtigsten Impulse nicht nur aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern erstaunlicherweise auch aus Indien, wo der Internationale Dachverband, die WORLD ARMWRESTLING FEDERATION, ihren Sitz hat.

Ein für das Armdrücken optimal konzipierter Wettkampftisch und das dazugehörige Regelwerk sorgten dafür, dass das Armwrestling endlich seinen Kneipencharakter verlor. Damit war auch die Grundlage zur Ausrichtung von nationalen sowie internationalen Meisterschaften gegeben, da jetzt für jedermann einheitliche Bedingungen das Armwrestling transparent machten. Momentan haben sich über 50 Nationen dem internationalen Dachverband angeschlossen.

Zu uns nach Deutschland kam das wettkampfmäßige Armdrücken im Jahre 1986. In Hollywood wurde gerade der Streifen „OVER THE TOP" abgedreht. Da die zu diesem Zeitpunkt in Las Vegas ausgerichtete Weltmeisterschaft der Armwrestler eine fundamentale Rolle in diesem Film spielen sollte, veranstaltete der Amerikanische Armwrestlingverband mit Unterstützung der Filmgesellschaft eine inoffizielle Deutsche Meisterschaft in München. Dieser für uns entscheidende Weg wurde beschritten, da man auch an Wettkämpfern aus Deutschland interessiert war.

Hunderte von starken Männern reisten in die Bayrische Landeshauptstadt, um an diesen Turnier teilzunehmen, da als Siegprämie für die Klassensieger die Qualifikation für die WM in Las Vegas bei voller Kostenerstattung winkte. Auch einige Athletinnen waren in München bereits am Start.

Einer der Klassensieger wurde der Gewichtheber Günther Heiss, vom AV Groß-Zimmern, Mitgliedsverein des Hessischen Athleten-Verbandes. Er hatte zwar noch nicht die Erfahrung, um auf dieser Weltmeisterschaft der Superlative in der glimmernden Wüstenmetropole Nevadas einen der vorderen Plätze zu belegen, jedoch das außergewöhnliche " Flair " dieser Veranstaltung, bei der die stärksten Armdrücker der Welt im restlos überfüllten Festpavillon des Hilton Hotels bis in die frühen Morgenstunden ihre Meister ermittelten, beeindruckte ihn außerordentlich. So beschloss er, diese faszinierende Sportart in Hessen, bzw. in Deutschland als offizielle Wettkampfsportart bekanntzumachen und einzuführen.

Im Hessischen Athleten-Verband fand Günther Heiss sofort einen interessierten Partner und es entwickelte sich eine äußerst fruchtbare Zusammenarbeit. Somit hatten die Armwrestler gleich zu Beginn den richtigen Weg eingeschlagen. Von Anfang an waren sie in einer soliden Organisation untergebracht, was für die sportliche Anerkennung und die zukünftige Entwicklung und Förderung dieser in Deutschland noch jungen Sportart von fundamentaler Bedeutung war und ist.

Das Leistungsniveau der hessischen und inzwischen auch das der Armwrestlern vieler anderer Bundesländer kann sich bereits international sehen lassen. Auf großen Meisterschaften in Paris, Genf, Barcelona, London, Moskau und des öfteren in Amerika erkämpften sie sich Plätze im vorderen Teilnehmerfeld - sogar zwei EM-Titel gingen inzwischen nach Deutschland.

Natürlich ist man allerorts sehr stark daran interessiert, den nüchternen, sportlichen Aspekt dieser jungen Sportart zu pflegen (in Israel und Indien wurde das Armwrestling von den entsprechenden nationalen Olympischen Komitees bereits anerkannt), jedoch ein wenig Exotik und Manegengeruch liegen immer in der Luft, wenn zwei Armwrestler in voller Konzentration an den Wettkampftisch gehen - und es gibt auch nichts dagegen zu sagen!

Die Welt der Armwrestler mag zwar im Wettkampf etwas rauh erscheinen, dennoch ist sie ausgesprochen fair und herzlich. Wer einmal ein großes Turnier miterlebt hat, die Leidenschaft der Armwrestler, die vom Tag ihrer Anreise bis zur Abschiedsfeier wächst und wächst, der wird unweigerlich in den Bann dieser Kampfsportart gezogen.

Selbstverständlich gehört auch zu dieser Sportart ein entsprechend zusammengestelltes Training. Dazu gehört zuerst einmal das gemeinsame Training mit den Vereinskameraden am Wettkampftisch. Spezielle Kräftigungsübungen mit Zuggeräten, Kurzhanteln usw. runden dann das Aufbautraining gekonnt ab. Natürlich werden dabei beide Arme trainiert.

Für alle Sportbegeisterte, die sich einmal etwas näher mit dieser interessanten Sportart auseinandersetzen möchten, ist es von großer Wichtigkeit, zuerst einmal Kontakt zu erfahrenen Armwrestlern zu knüpfen. Wie bei jeder Sportart, so muss auch hier ein gezieltes Training betrieben werden, um auf Meisterschaften erfolgreich mitmischen zu können und vor Verletzungen gefeit zu sein.

Ihr Ansprechpartner in unserem Verband für das Armwrestling ist Petra Spatz, die ihnen als zuständige Referentin gerne Auskunft gibt.