Labriola-Pokal

Dieser Preis wurde den hessischen Gewichthebern 1950 von Bernhard Labriola gestiftet. Er wurde seit 1952 immer an den relativ besten hessischen Gewichtheber bei den Hessischen Meisterschaften der Senioren (Aktiven) vergeben.

Der Uhrsprüngliche Pokal
Das Foto zeigt den ursprünglichen Pokal aus den Anfangsjahren, als nur wenige Namen auf der Bodenplatte angebracht waren. Der original Labriola Pokal ging im Jahre 2000 verloren und wurde seitdem nicht mehr aufgefunden.

Der aktuelle Pokal seit 2010
Das Foto zeigt den Ersatzpokal, der 2010 vom HAV gestiftet wurde, mit den Namensschildern aller bisheriger Gewinner.

Wer war nun Labriola, der Stifter des Preises (1880–1960)?

Sein Vater Julius kam aus Italien um in Südhessen eine Kammfabrik zu gründen, die erste in Ober-Ramstadt, Filialen folgte im Odenwald, im Raume Beerfelden Von Bernhard Labriola sind folgende Leistungen im Gewichtheben überliefert: Im Jahre 1908 galt er für die Olympischen Spiele in London als Favorit. Eine Krankheit verhinderte jedoch seine Teilnahme. Am 22.06.1909 in Zeilsheim Deutscher Meister, am 20.04.1911 wieder Deutscher Meister im Sechskampf mit 1075 Pfund. Weltrekorde im Einarmig Stoßen sind mit 217 Pfund 1912 in Mannheim, im gleichen Jahr mit 280 Pfund in Darmstadt überliefert. Gelegentlich wird er in alten Unterlagen auch als Weltmeister bezeichnet. Diese Angaben finden in meinen Unterlagen jedoch keine Stütze. Als Mitbegründer von Schwerathletikvereinen wird er dreimal genannt: 1909 in Ober-Ramstadt, 1912 in Gammelsbach (der Verein stellte u.a. nach dem II. Weltkrieg Deutsche Meister im Rundgewichtsjonglieren und im Kunstkraftsport (die Freiensteiner, nach der Burgruine im Gammelsbachtal), 1922 in Finkenbach. Aber auch der leichten Muse war er zugeneigt. Auf sein Betreiben wurde 1948 in Beerfelden die Carnevalsgesellschaft gegründet. Labriola stiftete die Bühnendekoration und die Gewänder und damit kommen wir zu seiner zweiten Passion, wodurch sein Name im Österreichischen Musiklexikon zu finden ist. Er wurde von 1930 bis 1933 und nochmals von 1950 bis 1960 des Wiener Musiktheaters, genannt nach Anton Ronacher in Wien I, Seilerstätte 9. Er holte namhafte Künstler nach Wien, genannt sei nur 1932 ein Aufritt von Josefine Baker. Der unvergessene Charlie Rivel gehörte regelmäßig zum Stamm. Bernhard Labriola war auch ein Förderer unseres Vereins Athletia Wiesbaden 1892. In Wiesbaden ist er 1960 gestorben und begraben. Ein Novum für einen Schwerathleten: Der Rundfunk unterbrach eine Musiksendung um über sein Ableben zu berichten. Bei der Beerdigung trug ein damals junger Gewichtheber hinter dem Sarg das Ordenskissen des Verstorbenen: Dietrich Mayer, seit 1976 Rechtsausschußvorsitzender der Hessischen Gewichtheber und in gleicher Funktion auch seit Jahrzehnten auf Bundesebene tätig.

Die Informationen wurden Zusammengetragen von Otto Schumann Ehrenpräsident HAV und Georg Mahlein Vizepräsident HAV